Und dann kam Corona… Teil 2

Wie beschäftigt man sich als Musiker eigentlich in Zeiten des Corona-Virus? Und zwar idealerweise so, dass die Zeit am Ende nicht als verloren in die Biografie eingehen muss? Wir hatten da bislang mehrere Ideen.

Der Live-Stream

Das Corona-Virus hatte uns unseren Auftritt, den wir am 13. März in Siegen hätten spielen sollen, also gestrichen. Da standen wir, wollten nach wochenlangen Proben und mit neuen Songs im Gepäck unbedingt auftreten. Scheiße…

Und dann schlug Tom vor, ein Proberaum-Konzert zu spielen und den Krach per Live-Stream zu übertragen.

Fünf Musiker, drei Kisten Hansa-Pils und ein Smartphone an einem Ende. Und am anderen Zuschauer, die sich das Ganze über ihr Instagram-Konto zu Hause auf dem Smartphone oder dem Tablet ansahen und zudem kommentierten. Unter dem Strich wurde es ein richtig guter Abend. Wir hatten Spaß an der Nummer, freuten uns über die ordentliche Reichweite und das viele positive Feedback, das auch aus weit entlegenen Bereichen der Republik und aus der Schweiz kam.

Das erste Musikvideo

Kurz darauf folgte die erste Fassung des Kontaktverbots in NRW. Damit waren die Proben für mehrere Wochen gestrichen. Richtig scheiße… Also fingen wir an, miteinander zu skypen: Blödsinn erzählen, Bier trinken, über Musik sprechen. Online „Cards Against Humanity“ spielen. Alles schön und gut, aber wir wollten ja auch da draußen im Gespräch bleiben.

Also schlug Tom vor, ein Musikvideo zu unserem Song „Und wieder“ zu drehen, in dem es um die Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, aber auch um Einsamkeit geht. Irgendwie passend zu Corona. Jeder von uns filmte sich also zu Hause: beim Bobby-Car-Fahren, beim Biertrinken, beim Joggen, im Badezimmer, beim Zocken an der Konsole und auf dem Klo. Irgendwer packte sogar ein Schachbrett aus. Was man halt so tut im Kampf gegen die Corona-Langeweile.

Hier geht´s direkt zum Video: https://bit.ly/3lnOtbW

Das zweite Musikvideo

Corona führte im Frühjahr schnell zur großen Panik – in Form von Hamsterkäufen. Die Franzosen waren dabei kreativ und deckten sich vor allem mit Rotwein und Kondomen ein. In Australien wurde der Verkauf von Bier zwischenzeitlich rationiert.

Und hierzulande? Hier wurden Nudeln und Mehl knapp. Vor allem aber Klopapier. Das wurde zu DEM Luxusgut schlechthin: Lange Schlangen vor den Geschäften, wütende Diskussionen, teilweise sogar Handgreiflichkeiten, um an ein paar Rollen des weißen Goldes zu kommen. Und in den sozialen Medien quollen die Kommentarspalten über, sobald jemand neue Infos darüber hatte, wo es wieder Klopapier zu kaufen geben sollte – oder sobald alles im Handumdrehen vergriffen war. Der absolute Irrsinn.

Und damit natürlich perfektes Futter für einen Song zur Lage der Nation. Da der Titel „S.O.S.“ sich dafür hervorragend anbot, spielten wir den Song kurzerhand in einer Akustik-Version ein und drehten anschließend noch ein extrem aufwändig produziertes Video. Das entstand übrigens in einem einzigen Take.

Hier geht´s zur Corona-Version von „S.O.S.“: https://bit.ly/30N3kox

Der Auftritt unter besonderen Umständen

Nicht auftreten zu können, nervte. Zu wissen, dass viele Personen und Läden aus der Veranstalterbranche extrem unter Corona und den damit verbundenen Einschränkungen zu kämpfen hatten, bedrückte uns. Daher entschieden wir uns dazu, Ende Juli im AJZ Lüdenscheid ein Konzert der besonderen Art zu spielen: akustisch, vor maximal 40 Leuten, die sich vorab anmelden und ihre Daten hinterlassen mussten. Außerdem: Maskenpflicht für alle Besucher während des Konzerts.

Auf der Bühne fühlte sich das zunächst ziemlich ungewohnt an. Als würde man nackt vor den Menschen stehen, deren Mimik darüber hinaus nicht zu erkennen war. Nach den ersten zwei Songs („Kaputte Stadt“ und „Max Mustermann“) waren wir allerdings drin. Abgesehen davon, dass wir das Tempo ein wenig herausgenommen hatten, hatten wir an den Songs auch nicht allzu viel geändert, und das zahlte sich aus. Trotz Maskenpflicht, trotz des Sicherheitsabstands zur Bühne und trotz Pogo-Verbots hatten alle Beteiligten einen Mordsspaß. Das fühlte sich wahnsinnig gut an – und war ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie wichtig Konzerte und Kultur generell sind.

Wichtig war für uns an diesem Abend außerdem: Mit „Schöne heile Welt“, „Immer mehr“ und „Augen in der Großstadt“ (eine Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Kurt Tucholsky) feierten drei Songs eine jeweils gelungene Live-Premiere. Außerdem kamen für das AJZ Lüdenscheid allein 550 Euro an Eintrittsgeldern zusammen. Diese Summe dürfte auch locker am Tresen nochmal zusammengekommen sein… Der Abend hat sich also in mehrfacher Hinsicht gelohnt.

Das Booking

Viel Planung ist derzeit zwar noch nicht möglich. Aber zumindest haben wir nach Rücksprache mit einigen Veranstaltern die Garantie bekommen, dass die 2020 ausgefallenen Konzerte nachgeholt werden sollen. Und die nimmermüde Ilona von BUNTE WELT BOOKING hat derweil noch den einen oder anderen Hammer für 2021 an Land gezogen. Unter anderem freuen wir uns sehr darüber, uns beim APEN AIR Bühne, Backstage und Bier zu teilen mit Bands wie ALARMSIGNAL, FAHNENFLUCHT und POPPERKLOPPER.

Und sonst?

Sehr gefreut haben wir außerdem über die gestreamten Interviews, die wir der BFK CREW aus Berlin und RILREC TV aus Wien geben durften. Insbesondere das Gespräch mit Lars, der uns aus Österreich mit Fragen löcherte, war ein großer Spaß. Besonders gut in Erinnerung geblieben sind uns die technischen Aussetzer, mit denen der Moderator immer wieder zu kämpfen hatte, und Jens´ trockene Antwort nach seinem liebsten Gitarrenriff: „Das Great Barrier Reef.“

Und ansonsten nutzen wir die Corona-Zwangspause natürlich genauso wie alle anderen Bands auch: für das Songwriting. Im kommenden Jahr dürfte der Markt mit jeder Menge neuer Punkrock-Platten geflutet werden. Das klingt doch nach erfreulichen Aussichten!

Läuft es so wie geplant, werden wir 2021 unsere zweite LP veröffentlichen. Das Songmaterial, das wir bis jetzt haben, macht uns auf jeden Fall großen Spaß. Es ist eine konsequente Weiterentwicklung von „Verdammte Stille“, die anders, aber eindeutig nach uns klingt und mit richtig viel Power und Tempo nach vorne geht.